Presse

14.12.2012

Jahrestagung 2012: Energieeffizienz ist Schlüsselfaktor der Energiewende

Eine Bestandsaufnahme zur Energieeffizienz, die Analyse von Hemmnissen bei der Umsetzung der Energiewende und die Vorstellung der PR-Aktion „Energieeffizienz – gefällt mir!“ standen thematisch im Mittelpunkt der HEA-Jahrestagung 2012 am 7. und 8. November. Uwe Schöneberg, Vorsitzender des HEA-Vorstandes, konnte im NH-Hotel Berlin am Bahnhof Friedrichstraße rund 150 Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Forschung und Bildung zur Fachdiskussion begrüßen.

Ein Thema zog sich wie ein roter Faden durch den gesamten Tagungsverlauf: Die Steigerung der Energieeffizienz. Sie ist in allen Anwendungsbereichen notwendig, um die aktuellen Ziele der Bundesregierung zur Energiepolitik zu erreichen. Uwe Schöneberg führte in seiner Eröffnungsrede als Gründe für die zögerliche Marktentwicklung politische und wirtschaftliche Hemmnisse sowie die Zurückhaltung von Investoren und Verbrauchern ins Feld. So sei die Hängepartie von Bund und Ländern zu steuerlichen Anreizen für die energetische Gebäudesanierung unhaltbar.

Die jährliche Sanierungsrate bei Gebäuden mit unter einem Prozent sei absolut unzureichend. „Wenn die energiepolitisch angestrebten Effizienzziele im Gebäudebestand bis 2050 tatsächlich erreicht werden sollen, so müssten ab heute Jahr für Jahr eine Million Gebäude energetisch topsaniert werden“, betonte der HEA-Vorstandsvorsitzende. Doch die Gebäudesanierung nimmt nur langsam Fahrt auf, obwohl sie ein entscheidender Bestandteil der Energiewende ist. Ebenso untragbar sei die Benachteiligung von Energie-Contracting in der geplanten Mietrechts- und Energiesteuernovelle. Der HEA-Vorstandsvorsitzende kritisierte außerdem, dass Energieberatungsleistungen mit zweierlei Maß bewertet würden. Wenn eine Beratung Voraussetzung für Investitionsförderung des Bundes ist, seien Berater aus Energiewirtschaft, Industrie und Handwerk häufig nicht zugelassen.

„Zurück in die Gegenwart“

Einen vielbeachteten Vortrag und ein Plädoyer für marktfähige Energiedienstleistungen hielt Prof. Dr.-Ing. Eberhard Jochem vom Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung (ISI) in Karlsruhe. Er warf in seinen Ausführungen einen Blick aus dem Jahre 2050 zurück auf die Gegenwart und stellte „rückblickend“ fest, dass viele klassische Energieversorger sich im Strukturwandel zwischen 2020 und 2050 nicht erfolgreich am Markt behaupten konnten. Nur die Unternehmen überlebten, die frühzeitig Energiedienstleistungen als Geschäftsfeld aufgegriffen hatten und intensiv auf die Bedürfnisse ihrer Kunden eingegangen waren.

Einen eindrucksvollen Einblick in die Welt des Guerilla Marketings vermittelte Andreas Tautz von der Berliner Guerilla Marketing Group. Guerilla Marketing versucht mit unkonventionellen Methoden und Aktionen Aufmerksamkeit beim Kunden zu erzielen. In seinem Vortrag stellte Andreas Tautz erfolgreiche Aktionsbeispiele aus aller Welt vor.

Balance zwischen Markt und Regulierung

Keine neuen „bürokratischen Monster“ schaffen will die Bundesregierung bei der Einführung der Energieeffizienzrichtlinie der EU. Dr. Hartmut Versen, zuständiger Referatsleiter im Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, Berlin, erläuterte die nächsten Schritte im Aushandlungsprozess.

Energieversorger sind gefordert

In zwei parallelen Workshops wurde anhand von Praxisbeispielen die unterschiedliche Ansprache von Zielgruppen durch Energieversorger thematisiert. Wie es gelingen kann, Privat- und Geschäftskunden für moderne Gebäudetechnik zu begeistern, verdeutlichten Vertreter aus der Energiewirtschaft. Für die Zielgruppe der Geschäftskunden gewinnt Energiemanagement und -beratung immer mehr an Bedeutung. So berichtete Franz-Josef Reimann, Beauftragter für Umweltfragen des Bistums Erfurt, dass Stadtwerke das Thema noch sehr unterschiedlich besetzen. Gäbe es einerseits flexible und sehr kundenorientierte Lösungen gerade für den Bereich der freien Wohlfahrtspflege, sei man anderswo noch ganz am Anfang.

Neue HEA-Studien vorgestellt

Neue Zahlen zum Stromverbrauch im Haushalt liefert die Studie „Stromverbrauch nach Anwendungszwecken der privaten Haushalte“, die HEA, BDEW und EnergieAgentur NRW gemeinsam in Auftrag gegeben haben. Erstmalig wurden die rund 450.000 Datensätze des Online-Stromchecks für Haushalte der EnergieAgentur NRW detailliert ausgewertet. Vorgestellt wurde ebenfalls die aktuelle HEA-Studie „Potenziale und Marktrolle der Windstromspeicherheizung“. In der Studie wird das Minderungspotenzial der CO2-Emissionen sowie das Potenzial zum Lastmanagement durch Speicherung von Strom aus erneuerbaren Energien in Wärmespeichern untersucht.

PR-Aktion „Energieeffizienz – gefällt mir!“

Gestartet wurde auf der Tagung auch die neue PR-Aktion der HEA: Unter dem Motto „Energieeffizienz – gefällt mir!“ sollen alle Energieversorger zu einer gemeinsamen, branchenübergreifenden Ansprache von Kunden eingeladen werden. Zentrales Element ist die gleichnamige Wort-/ Bildmarke, die eine einfache und positiv besetzte Botschaft transportieren und dabei für eine positive Wahrnehmung und Bestätigung sorgen soll. Das Signet kann kostenlos von BDEW-/HEA-Mitgliedsunternehmen für eigene Aktivitäten genutzt werden.

Weitere Informationen unter: www.energieeffizienz-gefaellt-mir.de.

60 Jahre HEA

über das Jahrhundert der Elektrifizierung, die heutige Rolle und die Ursprünge der HEA – Fachgemeinschaft für effiziente Energieanwendung referierte Dr. Nina Möllers vom Forschungsinstitut des Deutschen Museums, München. 1952 gegründet als „Hauptberatungsstelle für Elektrizitätsanwendung“ – darauf geht auch der Name HEA zurück – hat der Zusammenschluss von Marktpartnern in seiner 60-jährigen Geschichte großen Anteil an der Marktintegration elektrotechnischer Neuerungen für Haushalte, Industrie, Landwirtschaft und Gewerbe. Die Chronik zum 60. Jahrestag ist im Online-Shop unter www.hea.de erhältlich.

Forum E-Gemeinschaften im Rahmen der Jahrestagung

Am 7. November 2012 trafen sich Geschäftsführer von E-Gemeinschaften sowie Interessierte aus der Energieversorgung, dem Fachhandwerk, der Fachplanung und der Industrie zum 11. Forum für E-Gemeinschaften und Marktpartnerschaften, ebenfalls im NH-Hotel Friedrichstraße. Neu war in diesem Jahr das Veranstaltungskonzept. Das Forum E-Gemeinschaften sowie die HEA-Jahrestagung wurden erstmals gemeinsam durchgeführt. Dieses neue Konzept sollte dem an beiden Veranstaltungen interessierten Teilnehmer den Besuch beider Tagungen mit nur einer Anreise ermöglichen.

Gerhard Bressler von Vattenfall Europe Sales in Berlin eröffnete mit seinem Referat die Reihe der Fachvorträge. Er stellte im Rahmen seiner Ausführungen das Projekt „Energiesparpartnerschaft-Berlin“ vor. Hierbei werden ca. 150 öffentliche Liegenschaften unter Regie von Vattenfall energetisch optimiert und betrieben. Michael Mai vom Institut für Ressourceneffizienz und Energiestrategien (IREES) in Karlsruhe informierte über das bereits funktionierende Modell der „Lernenden Energienetzwerke“. Mit Hilfe eines speziellen Managementsystems und eines regelmäßigen Informations- und Gedankenaustausches im Netzwerk wird bei den teilnehmenden Betrieben eine Reduzierung des Energieverbrauchs bewirkt.

Im Vortragsblock „Marktanalysen“ wurden Studien zur Anwendung von Energieeffizienzmaßnahmen und zur Umsetzung von Energiedienstleistungen vorgestellt. Dr. Jan- Christopher Strobel von der Capgemini Hamburg präsentierte in seinem Vortrag eine vielbeachtete Studie zum Smart- Home-Markt in Deutschland.

Dr. Jens Perner von der Frontier Economics in Köln berichtete über eine Untersuchung zum Thema „Förderung von Energieeffizienzmaßnahmen in Haushalten“.

Last but not least stellten die Energiegemeinschaften aus Aachen und Schwäbisch Hall die praktische Arbeit ihrer Netzwerke vor.

Fazit HEA-Jahrestagung und Forum E-Gemeinschaften

Eindeutig für mehr marktwirtschaftliche Freiheit beim Thema Energieeffizienz und Gebäudesanierung plädierten die Teilnehmer von Jahrestagung und Forum E-Gemeinschaften. Zu unterschiedlich sind die Anforderungen und regionalen Rahmensetzungen bei den verschiedenen Kundengruppen gerade im Gebäudebestand. Gefragt ist hier neben einer flexiblen Förderstruktur vor allem eine qualifizierte Beratung von motivierten Marktpartnern über sinnvolle Maßnahmen und Effizienztechnologien.

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