Presse

19.10.2011

Jahrestagung 2011 in Berlin

Um den Schlüsselmarkt Gebäudesanierung und -modernisierung bei der Erreichung der Energieeffizienzziele ging es im prominent besetzten Podiumsgespräch auf der Jahrestagung der HEA-Fachgemeinschaft für effiziente Energieanwendung e. V. in Berlin. Anke Tuschek, Mitglied der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) und Vorstandsmitglied der HEA-Fachgemeinschaft, diskutierte mit den Teilnehmern die für die Marktbeteiligten relevanten Aspekte des Zukunftsmarktes.

Michael Geißler, Geschäftsführer der Berliner Energieagentur, berichtete über positive Erfahrungen mit Energiesparpartnerschaften bei der Sanierung öffentlicher Gebäude in der Hauptstadt. Die Energieagentur verstehe sich dabei als Mittler zwischen Eigentümer und Energiedienstleister. Dem Jüdischen Museum beispielsweise beschere eine solche Partnerschaft eine 46-prozentige Energieeinsparung im Vergleich zu den Ausgangskosten.

Rudolf Orlob, Vorstand der Charlottenburger Baugenossenschaft eG, Berlin, sieht beträchtliche Schwierigkeiten im hohen Anteil an denkmalgeschützter Substanzim Bereich seines Unternehmens. Hier müssten Denkmal- und Klimaschutz klug gegeneinander abgewogen werden. So gebe es Baugenossenschaften mit über 80 Prozent unter Denkmalschutz stehenden Wohngebäuden. In einem Beispielprojekt in Charlottenburg gelang es, den Energieverbrauch durch Modernisierung von ehemals 227 auf 49 Kilowattstunden zu senken, und das nahezu kostenneutral für die Mieter.

Eher für eine Ausnahme hält dies Lukas Siebenkotten, Direktor des Deutschen Mieterbundes. Meist schlage eine ökologisch sinnvolle Sanierung deutlich auf die Mietkosten. Er verwies auf die Diskrepanz zwischen den ehrgeizigen Zielen der Bundesregierung und dem Mangel an Anreizen durch eine vernünftige und verlässliche Förderpolitik. Daraus resultiere die eher abwartende Haltung vieler Investoren.

Mangelnde Transparenz im Förderdschungel und andere Investitionshemmnisse beklagte auch der Geschäftsführer von Stiebel Eltron, Karlheinz Reitze. Er forderte den zielgerichteten Einsatz und mehr Verlässlichkeit der Förderung und führte als Negativbeispiel Erfahrungen mit dem Marktanreizprogramm bei Wärmepumpen ins Feld.

Nicht die Kosten an sich seien das Problem, sondern Prioritäten der Bauherren, widersprach Holger Krawinkel vom Bundesverband der Verbraucherzentralen. Eine schicke Innenausstattung stünde höher im Kurs als Maßnahmen zur Energieeffizienz. Gleichwohl kritisierte er die fehlenden Angaben zur aktuellen Sanierungsrate oder zu den durchschnittlichen Verbrauchszahlen und erklärte, die Regierung müsse angesichts der enormen Herausforderungen schnell für eine vertrauenswürdige Datenlage sorgen.

Jost Geweke, Vorstand der Süwag Energie, Frankfurt/M., betonte im Gespräch: „Für die Energievertriebe bleibt es essentiell, ihre Kunden und deren Bedürfnisse bestmöglich zu kennen oder einschätzen zu können. Viel intensiver als in der Vergangenheit wird dies eine wesentliche Voraussetzung sein, um im Wettbewerb bei Energiedienstleistungen bestehen zu können.“

Einig waren sich die Diskutanten darin, dass für die Umsetzung der ehrgeizigen Ziele eine Umgestaltung der derzeit ungünstigen rechtlichen Rahmenbedingungen vonnöten sei. Ein Beispiel hierfür ist Contracting, das von Vermietern zwar stark nachgefragt werde, aber vertraglich nicht einwandfrei geregelt ist.

Übereinstimmend appellierten die Podiumsteilnehmer an die Marktpartner, bereits bestehende Möglichkeiten besser auszunutzen. Das gelte beispielsweise für die Kommunikation zwischen EVU und Kunden oder für die Verständigung zwischen Herstellern und Fachhandwerkern.

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