Presse

24.10.2012

4. Forum Wohnungslüftung fordert Regelung in EnEV 2013

Stärker in Neubau und Sanierung integrieren

Wohnungslüftung hat längst den Weg aus dem Nischendasein im Passivhaus gefunden und wird zunehmend im energieeffizienten Neubau und in der Sanierung eingesetzt. Darüber waren sich die mehr als 90 Teilnehmer des 4. HEA-Forums Wohnungslüftung in Frankfurt a. M. einig. Experten der Wohnungswirtschaft, Ingenieure, Architekten, Energieberater, Hersteller und Fachhandwerker nutzten den Treffpunkt, um praxisnah aktuelle Entwicklungen und Trends sowie Lösungen zu diskutieren.

Wohngesundheit ist Trumpf

Das Forum konstatierte gestiegenes Interesse am Lüftungskonzept, rangieren doch Wohngesundheit, Lufthygiene, Schallschutz und die Reduzierung des Energieverbrauchs immer öfter vor der Wirtschaftlichkeit. Diesem positiven Trend entspricht auch die technische Entwicklung. So wächst die Auswahl an Anlagenkomponenten. Zudem gibt es mittlerweile bezahlbare Mess- und Regelungstechnik für Feuchte, CO2 und VOC.

Gut die Hälfte der Anlagen ist nach Erfahrung von Energieberater Frank Hartmann, Forum Wohnenergie, heute mit erneuerbaren Energien kombiniert, hauptsächlich mit Erdreichwärmeübertragern zur Vorerwärmung der Außenluft. Hartmann zeigte praktische Beispiele für Lüftungskonzepte und hob die besondere Verantwortung seines Berufsstandes hervor, Vorbehalte beim Kunden abzubauen. Das gilt auch für die Kommunikation mit Architekten, Planern und Handwerkern.

Erfolgreiches Modellvorhaben im Denkmalschutz

Als oft vergessene Option bezeichnete Dr. Werner Neumann, Energiereferat Frankfurt a. M., Wohnungslüftung bei der energetischen Sanierung des Bestandes. Deshalb lobte die Stadt 50.000 Euro für die komplexe Sanierung von Gründerzeit-Gebäuden als Modellvorhaben aus. Zwei mehrgeschossige Wohnhäuser erhielten Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung, Fenster mit Dreifachverglasung und zentrale Wärmeversorgung. Bei der umfangreichen Dämmung wurde darauf geachtet, das Erscheinungsbild an der Straßenseite zu erhalten.

Peter Hufer, arch+E architekten, betreute das Projekt. Er verwies auf die Notwendigkeit detaillierter Planung, um genau zu dimensionieren sowie die baulichen Spezifika zu berücksichtigen. So ist die Führung von Luftkanälen in abgehängten Decken aufgrund der Raumhöhe oft eine Option in Altbauten. Das Feedback der Mieter nach dem ersten Winter sei mehrheitlich positiv: frische Luft im Schlafzimmer auch ohne Fensteröffnung und bedeutend weniger Lärm. Beide Referenten prognostizierten ein Einsparpotenzial von einem Viertel bis zu einem Drittel an Heizenergie. Ihr Fazit: Wohnungslüftung mit Wärmerückgewinnung muss ein integraler Bestandteil der energetischen Sanierung von Gebäuden mit schützenswerten Fassaden sein.

Nebenkosten nachhaltig reduzieren

über die Herausforderungen bei Wartung und Instandhaltung dezentraler Anlagen in Passivhäusern referierte Hans Baumgartner, Ingenieurbüro Baumgartner, Mörlenbach. Für Eigentümer, die in Wohnungslüftung investieren, könne weniger Aufwand für Wartung zum Wettbewerbsvorteil werden. Nach seinen Erfahrungen im Geschosswohnungsbau sei die Wartung bereits im Planungsansatz mit Gesamtkostenansätzen einzubeziehen. Geräteanordnungen, die keinen Zutritt zu den Wohnungen erfordern, gab er den Vorzug. Beispielsweise könnten die Geräte für die Wartungsarbeiten über die Treppenhauswand zugänglich sein oder sich in separaten Lüftungsräumen befinden.

Wohnungsmanager reduziert Raumheizenergie um ein Drittel

Auf die Möglichkeit der Vernetzung und Steuerung energetischer Prozesse bei geringem Aufwand und hohem Einsparpotenzial machte Dr.-Ing. Manfred Riedel, Dr. Riedel Automatisierungstechnik GmbH, Berlin, aufmerksam. Der von seinem Unternehmen entwickelte Wohnungsmanager RIEcon Touch regelt Wärmeerzeugung, Raumtemperatur und Lüftung nach Bedarf, automatisiert die Heizkostenabrechnung, ermöglicht Ferncontrolling und damit Kostentransparenz. Mittlerweile sind 30.000 Wohnungen mit der Smart-Home- Lösung ausgestattet. Bedienerfreundlich bietet sie dem Mieter Szenarien wie Weggehen und Ankommen und senkt damit den Energieverbrauch für die Lüftung. Weiterer Vorteil: die Anschaffung ist nach Beispielrechnung Riedels für den Mieter kostenneutral, da die Heizkostenersparnis die entsprechende Kaltmietenerhöhung mindestens deckt.

Handwerk fordert genormtes Zubehör

„Lüftungsanlagen sind Stand der Technik, aber in der Branche besteht noch viel Klärungs- und Fortbildungsbedarf.“ Matthias Wagnitz, Referat Technik, ZVSHK, nannte eine ganze Reihe von Hürden.

Die Defizite reichten von technischen Grundlagen über Praxistauglichkeit bis zum Gebrauch. So plant der ZVSHK eine Fachinformation Lüftung mit bundesweiten Schulungsmaßnahmen zum Frühjahr 2013. Außerdem wird die Planungssoftware ZVPLAN aktuell um den Bereich Lüftung ergänzt. Zugleich forderte Wagnitz die Normung von Produkten wie Rohrsystemen und Filtern, damit Ersatzteile auch in zehn oder 20 Jahren noch liefer- und bezahlbar bleiben.

Darauf verwies auch Peter Schwerdtfeger von der Frankfurter Aufbau AG in seinem Referat zu Lüftungskonzepten in der Praxis. Anhand mehrerer Varianten stellte er seine Erfahrungen mit zentralen Anlagen im Passivhaus- Geschosswohnungsbau vor.

Der U-Wert ist nicht alles...

Dieser Meinung ist Hans Westfeld, unter anderem Sachverständiger für thermische Bauphysik bei Gericht. Die Rechtspraxis zeige ein beträchtliches Haftungsrisiko auch bei Einhaltung der DIN 1946-6, beispielsweise wenn der zu gewährleistende Luftwechsel nur durch zusätzliche Lüftungsmaßnahmen des Nutzers erreicht werden kann. Tritt dann Schimmel auf, würde das Gericht zugunsten des Kunden entscheiden. Schließlich schulde der Planer diesem nicht die Einhaltung einer Norm, sondern den Erfolg. In diesem Zusammenhang sprach er von „staatlich geförderten Bauschäden“, da die KfW-Förderbank den Austausch der Fenster und andere Maßnahmen der Wärmedämmung auch ohne Betrachtung der Lüftung belohne.

Peter Paul Thoma, Obermeister der Frankfurter SHK-Innung und Moderator des Forums, forderte klare Regelungen in der neuen Energieeinsparverordnung (EnEV) zum verpflichtenden Einbau von Wohnungslüftungsanlagen. Es könne nicht sein, dass zum Beispiel Fensterfalzlüfter und Abluftanlage ausreichten, um Effizienzhausstandard 55 zu erreichen. Hier müsste auch die Förderung der KfW einer kritischen Prüfung unterzogen werden.

Alexander Sperr, HEA-Fachgemeinschaft: „Wir von der HEA sind überzeugt, dass vom Forum Impulse für die Umgestaltung politischer Rahmenbedingungen ausgehen.“ Er forderte die Teilnehmer auf, sich auf allen Ebenen dafür einzusetzen.

In die deutsche Passivhaushauptstadt eingeladen hatten die HEA-Fachgemeinschaft für effiziente Energieanwendung, der Bundesverband für Wohnungslüftung (VFW), der Zentralverband Sanitär Heizung Klima (ZVSHK), der Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH), die EnergieGemeinschaft RheinMain, Energieberater Franken sowie die Innung Sanitär Heizung Klima, Frankfurt a. M.

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