HEA
Wie lässt sich heute kosteneffizient bauen, ohne morgen teuer nachrüsten zu müssen? Diese zentrale Frage stand im Mittelpunkt der Veranstaltung der HEA – Fachgemeinschaft für effiziente Energieanwendung e.V. in Berlin. Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Praxis diskutierten, ob günstiges Bauen tatsächlich langfristig wirtschaftlich ist – oder ob es neue Abhängigkeiten und Kostenrisiken („Lock-in-Effekte“) schafft.
Bereits in der Begrüßung durch HEA-Geschäftsführer Dr. Jan Strobel wurde deutlich: Die aktuellen politischen Entwicklungen – vom geplanten Gebäudemodernisierungsgesetz bis zur Weiterentwicklung des Gebäudetyps E – sorgen für spürbare Unsicherheit bei Bau- und Sanierungsentscheidungen. Gleichzeitig machen sie deutlich, dass „günstig bauen“ neu definiert werden muss: nicht nur über Investitionskosten, sondern über langfristige Wirtschaftlichkeit.
Im ersten Impulsvortrag „Erfolgsfaktoren für eine nachhaltige Gebäudewende“ stellte Johannes Hauck (Hager Group) heraus, dass eine klare strategische Ausrichtung entscheidend ist, um vorhandene Effizienzpotenziale zu heben. Insbesondere Elektrifizierung und digitale Gebäudetechnologien können bereits heute erhebliche Energie- und Kosteneinsparungen ermöglichen. Voraussetzung ist jedoch, den gesamten Lebenszyklus von Gebäuden mitzudenken und Investitionsentscheidungen konsequent an langfristigen Betriebskosten auszurichten.
Die anschließende Podiumsdiskussion griff zentrale Spannungsfelder auf: Ist Bauen tatsächlich zu teuer – oder schlicht zu komplex? Und stehen Komfortansprüche im Widerspruch zu Kosteneffizienz, oder lassen sich beide Ziele intelligent verbinden? Im Gespräch mit André Hempel (BMWSB) und Johannes Hauck (Hager Group) wurde deutlich, dass weniger einzelne Anforderungen als vielmehr die Komplexität der Rahmenbedingungen entscheidend ist: Ordnungsrecht, Förderung und Energieberatung müssen besser ineinandergreifen. Zudem wurde betont, dass politische Maßnahmen – etwa im Gebäudeenergiegesetz – immer im Zusammenspiel mit Wärmeplanung und Förderstrukturen gedacht werden müssen, um Planungssicherheit zu schaffen.
Im zweiten Teil der Veranstaltung rückte die Praxisperspektive in den Vordergrund. Unter Moderation von Lutz Schulte, Fachgebietsleiter bei der HEA gaben Stefanie Koepsell (DEN), Thomas Kulpa (GASAG) und Ralf Lottes (VfW) Impulse zu den Themen Energieberatung, digitale Energielösungen sowie Energieeffizienz und Wohngesundheit. Es zeigte sich, Bauherrenbedürfnisse, technologische Innovationen (z. B. HEMS) und Aspekte wie Wohngesundheit stärker zusammengedacht werden müssen.
Die abschließende Diskussion mit den Referierenden machte deutlich: Zukunftsfähige Gebäude entstehen durch integrierte Lösungen, die Nutzeranforderungen, Energieeffizienz und technische Machbarkeit zusammenführen. Digitale Anwendungen wie Energiemanagementsysteme können dabei eine wichtige Rolle spielen, stoßen in der Praxis jedoch noch auf strukturelle Hürden. Gleichzeitig gewinnen Themen wie Raumluftqualität und intelligente Planung an Bedeutung, um langfristig Betriebskosten zu senken und Lock-in-Effekte zu vermeiden.
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