Unter Ergonomie versteht man grundsätzlich die anatomische Anpassung von Tischen, Stühlen und Arbeitsmitteln an den Menschen. Der Begriff setzt sich aus den griechischen Wörtern ergon (Arbeit, Werk) und nomos (Gesetz, Regel) zusammen. Zentrales Ziel der Ergonomie ist die Schaffung geeigneter Rahmen- und Ausführungsbedingungen für die Arbeit des Menschen sowie die Nutzung von technischen Geräten, Einrichtungen und Werkzeugen. Besonderes Augenmerk wird neben einer menschgerechten Gestaltung des Arbeitsraumes vor allem auf die Verbesserung der Interaktion zwischen Mensch und Technik gesetzt. In einer Einbauküche ist das Ziel der Ergonomie, den Arbeitsplatz so zu gestalten, dass die hauptsächlichen Nutzer ihre Fähigkeiten unter Berücksichtigung ihrer natürlichen Grenzen optimal nutzen können (Quellen: Wikipedia, AMK Ratgeber Küche, AMK-Ergonomie-Studie der TU Darmstadt/AMK-Ergonomieplaner für Einbauküchen).
Da in einem Mehrpersonenhaushalt etwa die Hälfte der wöchentlichen Hausarbeitszeit allein auf Tätigkeiten in der Einbauküche entfallen, sollte diese so gestaltet sein, dass die hauptsächlichen Nutzer diese Verrichtungen in ergonomischer Körperhaltung durchführen können; das verhindert asymmetrische Belastungen der Wirbelsäule und beugt Rückenschmerzen und Schädigungen am Bewegungsapparat vor; ebenso Ermüdungen und damit eventuell möglichen Unfällen.
Von zentraler Bedeutung für die Körperhaltung ist eine optimale Arbeitshöhe der Küchenmöbel (z. B. von Arbeitsplatte und Spüle) und der Geräte (z. B. Kochfeld, Backofen, Geschirrspüler). Ist die Arbeitshöhe zu niedrig, führt eine dadurch nach vorn gebeugt eingenommene Körperhaltung schon nach kurzer Zeit zu einer Verspannung der Rückenmuskulatur und erheblichen Belastungen der Bandscheiben. Ist die Arbeitshöhe zu groß, ergeben sich Probleme durch einen erhöhten Kraftaufwand. Das zeigt sich beispielsweise schnell bei allen vorbereitenden Tätigkeiten auf der Küchenarbeitsplatte, beim Herausheben von schwerem Kochgeschirr und Gegenständen aus zu großer Höhe (z. B. aus Hänge- bzw. Oberschränken, Vorratsschränken und dem Kühlschrank).
Richtmaß für die ergonomisch beste Arbeitshöhe und Arbeitsplattentiefe ist die Körpergröße derjenigen Person, die in der Küche am häufigsten tätig ist. Sind es zwei oder gar mehrere unterschiedlich große Personen, muss eine gemeinsame akzeptable Arbeitshöhe ermittelt werden. Als Hilfsmittel, um die optimale Arbeitshöhe zu errechnen, dient der von der AMK e.V. herausgegebene „Ergonomieplaner für Einbauküchen”.

Bild: Ergonomieplaner für Einbauküchen
Es gibt für alle Arbeitsvorgänge optimale Höhen und Flächengrößen. Bei leichten Küchenarbeiten sollte sich die Arbeitsfläche 10 bis 15 cm unterhalb der Ellbogenhöhe befinden.
Für vorbereitende Tätigkeiten sollte in jeder Einbauküche eine Sitzgelegenheit bzw. eine entsprechende Arbeitsfläche in Sitzhöhe (710 mm) vorhanden sein. Damit der Unterarm bequem mit der Hand auf der Platte aufliegen kann, sollte sich diese Arbeitsfläche bis zu etwa 5 cm über dem Oberschenkel befinden. In dieser Höhe lässt sich in angenehmer Sitzhaltung auch längere Zeit unbelastet arbeiten. Unterschiede in der Körpergröße der verschiedenen Nutzer können innerhalb eines begrenzten Rahmens durch einen höhenverstellbaren Stuhl ausgeglichen werden. Es werden auch höhenverstellbare Arbeitsflächen sowie kleine Auszugstische und Multifunktionssäulen mit mobilen Arbeitsflächen angeboten (z. B. Kesseböhmer).
Tabelle 1 zeigt die empfohlenen Arbeitshöhen im Stehen und Sitzen in Abhängigkeit von der jeweiligen Körpergröße auf (Quelle: AMK). Laut DIN-Norm 18022 soll die Arbeitstiefe 60 cm betragen. Dieser Tiefe entsprechen handelsübliche Küchenarbeitsplatten, die in der Regel 3 bis 4 cm über den Schrankkorpus bzw. das Elektro-Gerät hinausragen. Die Tiefe von Möbeln und Geräten liegt marktüblich bei 56 bis 57 cm.
| Tabelle 1: Empfohlene Arbeitshöhen in Abhängigkeit von der Körpergröße (in cm) | ||||
|---|---|---|---|---|
| Empfehlung lt. AMK1 (zusammengefasste Ergebnisse) | ||||
| Körpergröße in cm | Optimale Arbeitshöhe bei durchgehender Arbeitsplatte in cm | Empfohlene Höhe für Kochfeld in cm | Empfohlene Höhe für Spülbereich in cm | Empfohlene Höhe für Sitzarbeitsplatz in cm |
| 1252 | 652 | 652 | 752 | 562 |
| 1302 | 652 | 652 | 752 | 582 |
| 135 | 70 | 653 | 80 | 60 |
| 140 | 80 | 70 | 85 | 62,5 |
| 145 | 80 | 70 | 90 | 65 |
| 150 | 85 | 80 | 90 | 67 |
| 155 | 90 | 85 | 95 | 69 |
| 160 | 90 | 85 | 95 | 72 |
| 165 | 95 | 90 | 100 | 74 |
| 170 | 100 | 95 | 100 | 76 |
| 175 | 100 | 95 | 105 | 78,5 |
| 180 | 105 | 100 | 1103 | 81 |
| 185 | 105 | 100 | 1103 | 83,5 |
| 190 | 1103 | 1053 | 1153 | 86 |
| 195 | 1153 | 1103 | 1203 | 88 |
| 200 | 1203 | 1153 | 1253 | 91 |
Quelle: Empfehlung lt. AMK1 (zusammengefasste Ergebnisse) "Ergonomieplaner für Einbauküchen", AMK 1999, sowie "Ergonomiestudie zur körpergerechten individuellen Planung von Einbauküchen", AMK 1991. Die mit 3 markierten Werte sind nicht den AMK-Ergonomieunterlagen entnommen und freie Angaben der Fa. Miele. Es ist geplant, die Ergonomiestudie zu überarbeiten.
1 AMK = Arbeitsgemeinschaft "Die moderne Küche"
2 Die Körpergrößen 125 und 130 cm wurden von der AMK nicht untersucht.
3 Die Werte decken sich nicht exakt mit denen der AMK, deren Höhenerhebungen sich mangels größeren Lieferangebots zum Zeitpunkt der Erhebung zwischen 70 und 105 bzw. 111 cm bewegen.
Es ist auch möglich, die Arbeitstiefe auf 70 cm und mehr zu erweitern. Damit ergibt sich neben einem komfortableren Arbeiten mit mehr Reichweite, Sicht und zusätzlicher Arbeitsfläche auch noch ein Plus an Stauraum. Denn die Arbeitsplatte wird nicht nur für eine Vor- und Zubereitung der Mahlzeiten genutzt, sondern auch als Abstellfläche für täglich benutzte Kleingeräte, wie z. B. Küchenmaschine, Wasserkocher, Entsafter, Eierkocher, Toaster, Kaffeemaschine und der im Trend liegende Espressoautomat. Doch auch zum Platzieren von allem Dekorativem – wie Porzellan, Vasen oder Weinflaschen – eignen sich extratiefe Arbeitsflächen. Für Endkunden, die ihre Kleingeräte schnell griffbereit, jedoch unsichtbar hinter den Möbelfronten verstaut wissen wollen, eignen sich so genannte Aufsatzschränke mit Schiebe- oder Jalousietüren (Rolladen).
Die meiste Zeit wird in einer Einbauküche heute an der Spüle verbracht – rund 50 % (Quelle: AMK). Danach folgt die Kochstelle. Aus ergonomischer Sicht ergeben sich daraus zwei wichtige Konsequenzen: Der erhöhte Einbau der Spüle (+ 10 cm zur ergonomisch ermittelten Arbeitshöhe) – auch wenn ein Geschirrspüler eingeplant wird oder bereits vorhanden ist – sowie das Absenken des Kochfeldes um 20 cm. Auf beides sollte nicht verzichtet werden, sollen der Rücken geschont und die Bandscheiben dauerhaft entlastet werden.
Auch die Küchennische lässt sich zum Verstauen von wichtigen Kochutensilien nutzen. Dieser Raum zwischen Arbeitsplatte und Oberschrank sollte mindestens 50 cm betragen. Allerdings ist beim Planen der Oberschränke und des Dunstabzuges besonders auf die Kopffreiheit zu achten (Maximaltiefe ca. 40 cm) und ein sicheres Öffnen – also möglichst keine Türen, an denen sich die Nutzer stoßen können; statt dessen Oberschränke mit Klappen, die sich bequem und ergonomisch nach oben öffnen lassen oder mit Schiebetüren.
Die Höhe der Oberschränke variiert je nach Hersteller und Möbelprogramm, daher werden sie in vielen unterschiedlichen Höhen und Breiten angeboten. Daraus resultieren Gesamthöhen zwischen etwa 200 und 245 cm (gemessen von der Oberkante Fußboden bis zur Oberkante Oberschrank). Doch auch der Einbau vom Fußboden bis zur Decke ist aufgrund neuer, attraktiver Rastermaße möglich. (Foto: RWK)
Aus ergonomischer Sicht sollte die maximale Höhe der Schränke und Regale maximal 35 cm höher als die Körpergröße sein. Wünscht der Kunde eine Höhe darüber hinaus, sollte in der Küche auf jeden Fall eine sichere Trittleiter eingeplant werden, um eventuelle Unfälle zu vermeiden. Viele Küchenmöbelprogramme nutzen heute den Sockel als zusätzlichen Stauraum (Foto: Nolte). Darin lässt sich beispielsweise auch eine kleine Trittleiter unterbringen, ebenso Wasserkästen (Foto: Alno).


Die Einhaltung der empfohlenen Arbeitshöhen ist auch beim Einbau der Spüle sowie der Elektro-Großgeräte von entscheidender Bedeutung. Da sie täglich benutzt und bedient werden, ist verständlich, dass der Kühlschrank in einen Hochschrank in bequemer Sicht- und Greifhöhe eingebaut werden sollte. Das gleiche gilt für einen Einbau-Geschirrspüler, Einbau-Backofen, Einbau-Dampfgarer und ein Einbau-Mikrowellengerät.
| Tabelle 2: Empfohlene Einbauhöhe der Elektrogeräte in Abhängigkeit von der Körpergröße | ||
|---|---|---|
| Körpergröße in cm | Einbauhöhe in cm | |
|
|
Kühl-/Gefriergerät | Backofen/Mikrowellengerät |
| 135 | 65-130 | 60-135 |
| 140 | 65-140 | 65-135 |
| 145 | 60-150 | 70-140 |
| 150 | 60-155 | 75-145 |
| 155 | 55-160 | 80-150 |
| 160 | 55-165 | 85-155 |
| 165 | 55-170 | 90-155 |
| 170 | 55-175 | 95-165 |
| 175 | 55-180 | 95-165 |
| 180 | 55-185 | 100-170 |
| 185 | 55-190 | 105-175 |
| 190 | 55-195 | 110-180 |
| 195 | 60-200 | 110-185 |
| 200 | 60-205 | 115-190 |
Quelle: Ergonomieplaner für Einbauküchen, AMK.