12.4 Fronten und Arbeitsplatten

Eine Einbauküche besteht aus vielen Einzelelementen. Basis sind der Küchenkorpus, die Möbelfront und eine Arbeitsplatte. Sie alle müssen über viele Jahre großen Belastungen standhalten und aus diesem Grund besondere Anforderungen erfüllen, die in den DIN-Normen festgelegt sind. Dazu zählen mechanische und chemische Beanspruchungen, Kratzfestigkeit, Lichtechtheit, Abriebfestigkeit sowie die Beständigkeit gegen Wasser, Dampf, Wrasen (Kochdunst) und Hitze.

Das Ausgangsmaterial für die Küchenmöbel ist in der Regel Holz: als Massiv- bzw. Echtholz oder als Holzwerkstoff (Trägerplatten), dessen Eigenschaften durch bestimmte Verarbeitungsvorgänge und Zusätze (z. B. Kunstharze, Lacke, Leime) verbessert werden. Als Trägerschicht werden hierfür häufig Spanplatten verwendet, vor allem Mehrschichtplatten (Sandwich-Bauweise).

Aufbau einer Arbeitsplatte

Bild: Aufbau einer Arbeitsplatte

Während die Plattenmitte aus mehr groben Holzspänen besteht, gehen diese in den Außenseiten stufenweise in immer mehr ganz feine Holzspäne über. Das hat den Vorteil, dass die Spanplatte außen sehr robust ist. Deshalb kann sie auch anschließend gefräst, kassettiert, facettiert und gerundet werden, ohne zu brechen oder auszufransen. Je höher die Dichte der Spanplatte, desto besser die Qualität (400 bis 600 kg/m3 = qualitativ hochwertig). Die eingesetzten Spanplatten sind bis 40 mm dick und entsprechen der Emissionsklasse E 1, d.h. die Formaldehydemissionen liegen unter 0,1 ppm (parts per million, 1 g pro 10000 kg). Zum Schutz gegen Feuchtigkeit sollen die Kanten versiegelt sein.

Heute sind weitestgehend Mitteldichte Faserplatten (MDF = medium density fibreboard) im Bereich Fronten Einsatz. Sie weisen eine hohe Stabilität auf. Basis der MDF-Platte sind feine Holzfasern. Sie werden unter Hilfe eines speziellen Bindemittels zu einer Platte geformt und unter Druck und Hitze verpresst. Durch die hohe Verdichtung wird der Anteil der Poren minimiert; dadurch eigenen sich MDF-Platten für Flüssigkeitsbeschichtungen (z. B. mit Acryllacken). Auch Holz(Hart)Faser-, Furnier- und Tischlerplatten kommen beim Küchenmöbelbau zum Einsatz.

Küchenkorpusse und Möbelfronten können mit verschiedenen Oberflächenmaterialien überzogen bzw. beschichtet sein. Dazu gehören Kunststoff, Lack, Echtholzfurnier, Edelstahl, Aluminium und Glas.

Küchenarbeitsplatten werden heute, im Gegensatz zu früher, in vielen unterschiedlichen Werkstoffen angeboten, z. B. in Schichtstoff, Multiplex (Mehrschichtensperrholz), Massivholz, Furnierholz, Edelstahl, Glas, Naturstein, Lava, Keramik, Fliesen, Corian, Beton, Mineralwerkstoff und Quarzstein. Zur Veredlung und Oberflächenbelastbarkeit werden für Arbeitsplatten aus Holzwerkstoff und Holz Kunststofffolien, Schichtpressstoffplatten, Farben, Beizen, Lacke, Wachse und Öle genutzt (Quelle: Das große Küchenhandbuch sowie Fotos von Nolte und Lechner).

Arbeitsplatte

Foto: Nolte

Arbeitsplatte

Foto: Lechner

Arbeitsplatte

Foto: Lechner

Echtholz

Im hochwertigen Preissegment werden bei den Einbauküchenmöbeln Massiv- und Edelhölzer eingesetzt. Im Trend liegen derzeit folgende Holzarten: Ahorn, Zwetschge, Birnbaum, Olive hell und dunkel, Eiche, Teak, Nussbaum, Palisander, Wengé, Tineó. Da Echtholz empfindlich gegen Wasser, Dampf und Küchenwrasen ist, werden die Oberflächen von Massiv- bzw. Vollholzholzeinbauküchen zum Schutz mit Lack, Wachs oder Öl behandelt. Es gibt auch schmutz- und wasserabweisende Speziallacke.

Holzfurniere

Bei einer Einbauküche mit furnierten Möbelfronten werden 0,7 bis 4 mm dünn geschnittene Echtholzfurniere auf hochwertige Spanplatten aufgebracht. In der Regel erfolgt eine weitere Behandlung der Oberfläche mit PUR- oder Acryllack. Gegebenenfalls wird zum Schutz gegen besondere Beanspruchung noch ein Klarlack aufgebracht. Man unterscheidet Messer-, Micro- und Schälfurniere.

Multiplex

Furnierplatten mit fünf und mehr Furniereinlagen werden als Mehrschichtensperrholz bzw. Multiplex bezeichnet. Sie werden aufgrund ihrer natürlichen und interessanten Optik gerne als Arbeitsplatte eingesetzt. (Quelle: Das große Küchenhandbuch).

Holznachbildungen

Die Zubehörindustrie arbeitet seit Jahren an Holzreproduktionen, die so gut sind, dass fast nur noch der Fachmann sie vom Original unterscheiden kann. Das sind Kunststofffolien, die entweder direkt auf die Trägerplatte aufgebracht, oder als Schichtstoffplatte hergestellt und dann mit dem Trägermaterial verleimt werden. Die Grundlage dieser Beschichtungen bilden mindestens eine, zumeist mehrere mit Melaminharz getränkte Zellulosebahnen. Hochdruck-Schichtpressstoffplatten (HPL) sind aus gleichmäßig geschichteten Papierbahnen, die mit härtbaren (duroplastischen) Kunstharzen getränkt worden sind.

Die oberste Bahn besteht aus eingefärbtem oder bedrucktem Zellulosepapier (Dekorschicht). Als Deckschicht (Overlay) wird ein ebenfalls mit Melaminharz getränkter transparenter Zellulosebogen mitverpresst. Mit Hilfe von Druck und gleichzeitiger Hitzeeinwirkung werden die Melaminharzfilme auf die Trägerplatte gepresst, und es entsteht eine widerstandsfähige Oberfläche.

Die Oberflächen sind glänzend oder hochglänzend (bei HPL), seidenmatt oder strukturiert, unifarben oder mit sehr gut reproduzierten Dekoren. Die strukturierten Oberflächen gelten als besonders unempfindlich und strapazierfähig. Dekorative Endlos-Laminate, das sind mit duroplastischen Kunstharzen getränkte Papierbahnen, werden u. a. als Küchenarbeitsplatten eingesetzt, wobei die äußerste Schicht aus einem eingefärbten oder bedruckten Dekorpapier besteht. MDF-Platten können auch mit Kunststofffolie ummantelt werden, heute werden PVC-freie Folien verwendet. Im Querschnitt besteht eine Küchenarbeitsplatte aus einer Melaminharz-Dekorschicht, dem Melaminharz-Kern, der beschichteten Spanplatte, einer Feinst-Deckschicht, Mittelschicht, Feinst-Deckschicht, dem Melaminharz-Kern und der Melaminharz-Dekorschicht.

Heute werden aufgrund seiner Eigenschaften bei den Küchenmöbelfronten überwiegend Lacke eingesetzt (Polyurethanlack PUR-Lack), die auch größeren Belastungen standhalten. Sie sind kratzfest, lichtecht, abriebfest und beständig gegen Wasser/-dampf, Küchendünste und Hitze.

Edelstahl

Edelstahl ist aufgrund seiner besonderen Eigenschaften – robust, rostfrei, korrosionsbeständig, hitzefest, hygienisch, leicht zu reinigen – ein Material, das sich vielseitig einsetzen lässt: neben der Gerätetechnik auch bei den Küchenfronten und vor allem bei Küchenarbeitsplatten. Fronten aus Edelstahl werden jedoch vorwiegend in der Gastronomie und weniger im Privatbereich eingesetzt – außer bei anspruchsvollen Hobby- und Profiköchen, da es sehr nach Arbeitsküche und weniger wohnlich als Holz und Kunststoff wirkt. Edelstahloberflächen werden in matt gebürstet, hochglänzend poliert und mit strukturierten Oberflächen angeboten. Sie sind weniger kratzempfindlich als glatte Oberflächen.

Glas

Glas ist in einer modernen Einbauküche nicht mehr wegzudenken, da es sich sehr gut kombinieren und vielseitig einsetzen lässt – als Küchenfront (Klarglas, satiniertes Glas, rückseitig bedrucktes Dekor-Glas), Arbeitsplatte, beleuchteter Regalboden und hinter den Möbelfronten (z. B. als Glaszarge bei Auszügen). Hinzu kommt, das Glas hygienisch und pflegeleicht ist. Im Trend liegen dünne Küchenarbeitsplatten mit einer Stärke zwischen 8 und 16 mm.

Naturstein

Besonders edel ist der Einsatz von Natursteinen in einer Einbauküche. Für die Arbeitsplatte bieten sich hierfür vor allem Granitstein und Marmor, aber auch Schiefer und Travertin an. Da es ein in der Natur gewachsenes Material ist, ist jede Arbeitsplatte ein Unikat. Die Verarbeitung von Granit und Marmor galt früher als sehr schwer (aufgrund des Gewichtes) und auch als schwierig, da die Platten beim Zuschneiden und Einpassen oftmals Risse und Sprünge bekamen. Heute werden MDF-Platten als Trägermaterial verwendet, auf die eine etwa 8 bis 16 mm starke Platte aus Naturstein aufgebracht wird. Die Oberfläche von Küchenarbeitsplatten aus Naturstein sind spezialbehandelt, damit sich Fette, Öle und Flüssigkeiten möglichst nicht in den Poren absetzen können (dies kann aber nicht ausgeschlossen werden).

Lava

Lava ist ein natürliches Felsengestein vulkanischen Ursprungs, das aus den Strängen erkalteter Lavaströme gebrochen wird und dementsprechend exklusiv und kostspielig ist (Quelle: Das große Küchenhandbuch).

Verbundwerkstoff

Eine interessante Alternative stellen Küchenarbeitsplatten aus Verbundwerkstoffen dar; beispielsweise aus Corian. Dieses Material besteht zu zwei Dritteln aus dem alabasterähnlichen Naturstein Aluminiumhydroxid, der mit einem Drittel hochwertigem Acryl vermischt wird). Corian ist massiv und besitzt eine seidenglänzende, porenlose Oberfläche. Der Kunststoff kann voll durchgefärbt werden und ist daher in vielen Farbvarianten als Arbeitsplatte einsetzbar. In die porenlosen und hygienischen Oberflächen kann sich Schmutz nicht festsetzen, deshalb wird der Werkstoff vorwiegend in Küchen und Bädern, Restaurants und Hotels, aber auch in Krankenhäusern und im Schiffsbau eingesetzt. Gebrauchsspuren lassen sich wieder wegpolieren.

Mineralwerkstoff

Arbeitsplatten aus Mineralwerkstoff haben einen seidigen Glanz und fühlen sich warm an, da sich die seidenmatte Oberfläche der Raumtemperatur anpasst. Durch die Verwendung hochwertiger Komponenten (natürliche Mineralien und Acryl) erhält das Material eine außergewöhnliche Stabilität und Festigkeit. Es lässt sich vielseitig einsetzen und ist auch noch nach Jahren der Beanspruchung erneuerbar. Die homogene und porenfreie Oberfläche ist ohne eine zusätzliche Versiegelung entsprechend pflegeleicht und lebensmittelecht (Quelle: Lechner, 2009). Der Mineralwerkstoff wird in sehr vielen Farbstellungen (30) angeboten.

Kunststein

Das Arbeitsplattenmaterial ist ein auf Quarzbasis hergestellter künstlicher Stein. Durch ein spezielles Herstellungsverfahren erhält das Material Eigenschaften, die denen von Naturstein ähnlich sind, jedoch einige wesentlichen Qualitätsunterschiede aufweisen. Es zeigt hohe Festigkeit und ist dabei sehr elastisch, was hauptsächlich die Verarbeitung erleichtert. Es ist in hohem Maße kratz- und schlagfest sowie schmutzabweisend. Jegliche Arten von Flüssigkeiten, wie Chemikalien und Säuren können nicht eindringen und so die Oberfläche zerstören oder Farbveränderungen verursachen. Da die Oberfläche nicht porös ist, ist sie leicht zu reinigen und hygienisch (Quelle: Lechner, 2009).

Beton

Arbeitsplatten aus Beton (Foto: Leicht) werden aus hoch veredelten Zementen und Zuschlagstoffen hergestellt. Ihre Oberflächen sind mit Öl und Wachs gegen Flecken geschützt. Der Werkstoff ist wasserfest und hitzebeständig (Quelle: Das große Küchenhandbuch).

Arbeitsplatte

Fliesen

Keramikfliesen werden heutzutage zwar seltener eingesetzt, können jedoch auch als Arbeitsplattenoberfläche oder als Nischenrückwand genutzt werden: Dazu werden sie beispielsweise auf einer Spanplatte verleimt. Hierfür sind Zweikomponenten-Spezialkleber und wasserdichter Fugenmörtel nötig, denen die im Haushalt verwendeten Putz- und Reinigungsmittel nichts anhaben können. Für die Abschlusskante werden speziellen Abschlussfliesen oder wasserresistente Massivholzleisten eingesetzt.

Keramik

Arbeitsplatten aus Keramik bestehen aus Feinsteinzeug (feinst gemahlener Ton) und einer Glasur. Beim Brennen schmilzt die Glasur und dichtet die Keramik ab. Je nach Glasur können unterschiedliche Farbstellungen realisiert werden. Interessant sind auch so genannte Modul-Arbeitsplatten aus Keramik, z. B. KeraDomo-Küchenkeramik von systemceram (Foto). Darin sind bereits ein Kochfeld und/oder eine Spüle integriert.

Keramik

Für Arbeitsplatten gibt es Lösungen, die aus mehreren Teilelementen bestehen – bis zu 180 cm. Dadurch werden sehr individuelle Planungen möglich. Die Platten werden mit und ohne Schwallrand angeboten. Das hochwertige Steinzeug zeichnet sich durch viele positive Eigenschaften aus: es hat eine haptisch sehr angenehme, samtige und porenfreie Oberfläche, ist pflegeleicht und hygienisch, strapazierfähig und sieht besonders wertig aus. Und es ist unempfindlich gegen Feuchtigkeit und Haushaltschemikalien aller Art (Quelle: systemceram, 2009).