Nachricht vom 01.12.2009
HEA-Jahrestagung 2009: Branchenexperten diskutierten wegweisende Konzepte und Strategien zur Energieeinsparung
Mit der klaren Forderung nach mehr Marktdynamik und einem deutlichen Appell an die Politik, die dafür notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen, ist Ende September in Berlin die Jahrestagung der HEA-Fachgemeinschaft für effiziente Energieanwendung zu Ende gegangen. Zentrales Thema des Branchentreffs war die Frage, wie sich mit den richtigen Technologien, Strategien und Dienstleistungen eine langfristige Senkung des Energieverbrauchs in Deutschland erreichen lässt. Experten aus Politik und Industrie sowie Vertreter der Wohnungs- und Energiewirtschaft berichteten aus der Praxis und diskutierten wegweisende Konzepte. Laut Uwe Schöneberg, Vorstandsvorsitzender der HEA-Fachgemeinschaft, sind die ehrgeizigen Ziele der Bundesregierung in Sachen Energieeinsparung – 20 Prozent Primärenergie in den kommenden zehn Jahren und neun Prozent Endenergie bis 2016 – nur zu erreichen, wenn alle gesellschaftlichen Kräfte mobilisiert werden: „Wir sehen einerseits bei den sich aus dem Markt heraus entwickelnden Lösungen und andererseits bei der Aufklärung der Anwender und Nutzer von Energie die entscheidenden Ansatzpunkte“, erklärte Schöneberg stellvertretend für die Energieversorgungsunternehmen und deren Partner aus Geräteindustrie und Fachhandwerken, die sich unter dem Dach der HEA zusammengefunden haben. Dabei appellierte er an die Politik weniger zu regulieren, als vielmehr durch unterstützende Rahmenbedingungen den Weg für eine rationelle Energienutzung frei zu machen.
„Wir betrachten marktwirtschaftliche Lösungen zur Steigerung der Energieeffizienz und Offenheit bei den eingesetzten Technologien als den Königsweg“, führt HEA-Geschäftsführer Jan Witt das Anliegen des Marktpartnerverbundes weiter aus. Eine besondere Bedeutung komme dabei dem Gebäudebereich zu. Es sei unabdingbar, den Verbraucher und den potenziellen Investor durch fachlich fundierte, professionelle Aufklärung und Beratungsdienstleistungen vom Nutzen höherwertiger energieeffizienter Technik zu überzeugen. Entscheidend für eine rasche Marktdurchdringung dieser Technologien seien außer Investitionsanreizen die kontinuierliche Information und Qualifizierung aller Beteiligten. Wie wichtig dies sei, zeige die Situation am Modernisierungsmarkt, der mit jährlich 700.000 sanierten Wohnungen ein bedeutendes Einsparpotenzial biete: Obwohl die für eine umfassende energetische Modernisierung notwendigen Technologien zur Verfügung stünden, würden nur weniger als die Hälfte dieser Wohnungen mit einer Technik ausgestattet, die den Anforderungen an Energieeffizienz vollständig genüge. „Oft fehlen dem Verbraucher die notwendigen Informationen, oder die Komplexität möglicher Effizienz-Maßnahmen scheint ihm zu hoch“, so Witt. Dabei stellt die Optimierung von Produkten und Prozessen nach Kriterien der Energieeffizienz einen nachhaltigen Kostenvorteil für Verbraucher und auch Unternehmen dar, berichtete Kalle Greven von der Unternehmensberatung McKinsey & Company. Mit einer Vorreiterrolle Deutschlands, zum Beispiel durch Investitionen und Dienstleistungen im Bereich der Gebäudetechnik, lassen sich Chancen für die deutsche Wirtschaft verbinden, so das Ergebnis der McKinsey-Studie „Wettbewerbsfaktor Energie“. Die Marktchancen ergäben sich dabei unter anderem durch optimierte Heizsysteme, eine bessere Gebäudedämmung und effizientere Haushaltgeräte. McKinsey schätzt das Potenzial in diesen Wachstumsmarkt auf 180 Milliarden Euro im Jahr 2020.
Wie das Energiesparhaus der Zukunft aussehen könnte, zeigten die Architekten Hannes Guddat und Michael Keller von der Technischen Universität Darmstadt. Sie stellten ihr international preisgekröntes Plusenergiehaus vor, das dank einer integralen Planung den Energiebedarf durch passive Maßnahmen wie eine hoch gedämmte Gebäudehülle und einen kompakten Baukörper herabsetzt und gleichzeitig mit aktiven Systemen wie Wärmepumpe, Wohnraumlüftung sowie energiesparenden Hausgeräten und Leuchtmitteln die Effizienz steigert. Damit zeigt dieses innovative Konzept für das Wohnen 2015 beispielhaft auf, wie sich flexibler Wohnkomfort und maximale Energieeffizienz zukünftig verbinden lassen.
Ein erfolgreiches Umsetzungsbeispiel mit Modellcharakter präsentierte auch Rainer Beyer, geschäftsführender Vorstand der SGF Siedlungsgenossenschaft Augsburg-Firnhaberau eG. Die energetische Sanierung einer Mehrfamilienhaus-Anlage aus dem Jahr 1970 zeigt anschaulich, wie sich mit effizienter Heiztechnik die energiebedingten Betriebskosten reduzieren und so der Wert eines Hauses steigern lässt. Insgesamt 80 veraltete Nachtspeichergeräte wurden ausgetauscht und durch eine moderne Wärmepumpenanlage ersetzt. Außerdem wurde das Gebäude hochwertig gedämmt und mit einer Lüftungsanlage ausgestattet. Der Mietbetrieb wurde dabei nicht gestört, weil die notwendigen Rohrleitungen für Heizung und Lüftung in die Außendämmung integriert wurden. Die Installationsarbeiten in den Wohnungen selbst reduzierten sich so auf ein Minimum. Energetisch entsprechen diese jetzt dem heutigen Neubaustandard nach EnEV 2009: Die jährlichen Heizkosten für jede der durchschnittlich 70 Quadratmeter großen Wohnungen haben sich halbiert und die Wohnungen bieten nach Aussage der Mieter einen deutlich erhöhten Komfort. Ganz entscheidend für den Erfolg der Modernisierungsmaßnahmen sei, so Beyer, die enge Zusammenarbeit aller Beteiligten bereits in einer frühen Planungsphase gewesen.
Dass ohne Partnerschaft nichts geht, betonte auch Anke Tuschek, Mitglied der Hauptgeschäftsführung des BDEW Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft, Berlin. Nur durch die Einbindung aller Partner – Energieversorger, Hersteller und Fachhandwerk – könnten Dienstleistungsangebote entstehen, die dem Kunden helfen, seinen Energieverbrauch effizient zu gestalten. In der Praxis hat sich bereits eine Vielzahl von Marktpartnermodellen entwickelt. Mit Smart Metering zur Visualisierung des aktuellen Energieverbrauchs, das Tuschek mit der Vision einer hocheffizienten „Smart City“ verband, stellt der Markt neue Anforderungen an alle Partner in Bezug auf Rollenverteilung und Kooperationsbedarf.
Die klare Botschaft der Experten, die auf der HEA-Veranstaltung in Berlin zu Wort kamen, lautet also: Energieeffizienz im Gebäudebereich ist nicht nur gesetzlich gefordert, sondern ökologisch und ökonomisch sinnvoll und notwendig. Damit sie aber dauerhaft einen festen Platz in der Mitte der Gesellschaft findet und allen Beteiligten Chancen und Perspektiven eröffnet, sind verstärkt gemeinsame Anstrengungen nötig. Die Basis hierfür sind eine weitere Optimierung der Förderangebote, maßgeschneiderte Dienstleistungsmodelle und die Ausweitung der Energieberatung für private Energieverbraucher. Mit ihrer Brückenfunktion als Mittler zwischen allen Marktpartnern – Energieversorgern, Herstellern und Handwerk – kann die HEA-Fachgemeinschaft entscheidend dazu beitragen, dass der Nutzen moderner Effizienz-Lösungen tatsächlich vom Energieverbraucher erkannt wird. Denn, darin waren sich alle vertretenen Marktakteure einig, die Klimaschutzziele der Bundesregierung sind nur zu erreichen, wenn Investitionen in Energieeffizienzmaßnahmen die richtige Antwort auf knapper werdende Ressourcen und steigende Energiepreise sind.
Alle Vorträge der HEA-Jahrestagung 2009 finden sich im Internet unter http://www.hea.de/mitgliederbereich/.